Die Rückkehr des Wunderglaubens

21.08.2009

Wunderglaube wird im Allgemeinen als ein Phänomen des Mittelalters oder wenigstens von ein paar Unbelehrbaren Kirchgängern angesehen, doch Wunderglaube ist über Nacht en Vogue geworden -- nicht etwa bei radikalen Ayurveda-Anhängern, sondern unter anderem bei unserer Regierung!


Was tut man, wenn das Geld verzockt, alle Asse im Ärmel verspielt sind und man selbst eigentlich nur noch auf den Besuch der Kreditmafia wartet? Als Privatmann blieben einem nur irgendwelche Brücken oder Bahngleise – doch für den modernen Politiker fängt an dieser Stelle das Leben erst so richtig an ... da steigen die Umfragewerte ins Unermeßliche!

Eines ist klar: Die Milliarden, die wir den Banken als "Rettungsschirme" überlassen haben, sind weg. Die sind schon zur Kompensation der riesigen Gewinnausschüttungen der letzten Jahre und der dicken Management-Gehälter drauf gegangen. Wir alle wissen es. Wir wissen, dass heute im Finanzmarkt eine Verantwortung oder Risiko für bestimmte Kreise nicht mehr gibt. Wenn es gut läuft, werden Milliardengewinne auf Milliardengewinne gehäuft – wenn es schlecht läuft, hilft der Staat mit den Steuergeldern der Steuerzahler die von den Milliardengewinnen am wenigsten gesehen haben.

Nun stehen wir vor den Scherben der Wirtschaft. Jeder denkende Mensch weiß genau, dass zur Kompensation der Milliardenausgaben entweder Einschnitte von bisher ungesehenem Ausmaß in das soziale Netz Deutschlands oder massive Steuererhöhungen notwendig sein werden.

Doch was macht die CDU? Sie versprechen vollmundig Steuergeschenke – selbstverständlich nach der Wahl. Wer soll die Kosten tragen? Keiner weiß es. Wann wird es die Geschenke geben? Keiner weiß es. Wie soll das überhaupt gehen? Keiner weiß es!

Der Wunderglaube ist wieder in die Politik eingekehrt.

Deshalb legt man auch vollmundig fest, man wolle maximal zwei Grad Klimawandel akzeptieren [01]. Jedoch hält sich die Natur nicht immer an gefällte Gipfel-Beschlüsse [02], vor allem wenn keiner der Gipfelteilnehmer bereit ist, konkrete Konsequenzen zu ziehen.

So hat der Wunderglaube auch die Weltpolitik erreicht.

CO2-Reduktion ja – konkrete Maßnahmen, lieber nicht! So übernimmt die USA jetzt möglicherweise den Emissionshandel, der bereits in der EU gezeigt hat, wie man mit viel Tamtam keinerlei Effekt erreichen kann – außer natürlich dass Stromkonzerne einen Grund haben, höhere Preise zu verlangen, obwohl sie die nun im Strompreis eingepreisten Emissionszertifikate von der Bundesregierung geschenkt erhielt. Macht nichts, irgendwo müssen die Rekordgewinne der Konzerne schließlich herkommen!

Hierzulande greift man gar zur Elektromobil-Initiative, um kurz vor der Wahl den Wählern die eigene CO2-Kompetenz vor Augen zu führen [03]. Doch auch hier muß der Wunderglaube vorherrschen, falls man tatsächlich denkt, zuerst mit 3 Milliarden die Technologie von gestern zu fördern (Abwrackprämie) und dann mit lächerlichen fünfhundert Millionen mal kurz die Technologie von morgen aus dem Boden stampfen zu können. Auf einen Anreiz zum Kauf von Elektroautos hat man vorsorglich auch gleich verzichtet, da man ja weiß, dass inzwischen die meisten potentiellen Käufer ihren neuen Opel Kleinwagen zuhause haben – mit der alten Technologie.

Aber auch bei der SPD ist Wunderglaube das Allheilmittel der Wahl [04]. Vier Millionen neue Arbeitsplätze sollen entstehen. Darunter eine Million in der "Gesundheitswirtschaft". Dabei scheint Steinmeier aber zu vergessen, dass neue Arbeitsplätze in der Kranken- und Altenpflege auch von irgend jemandem bezahlt werden müssen und die Krankenkassen beispielsweise jetzt schon über Beitragserhöhungen nachdenken, weil der Gesundheitsfonds nicht ausreicht. Natürlich werden diese Erhöhungen nur zu Lasten der Arbeitnehmer gehen, da man den sogenannten Gesundheitsfonds bewußt so konstruiert hat.

So stellt man sich wohl das Deutschland-Wunder vor: Die Deutschen zahlen selbst für das Wunder und die Arbeitnehmer werden eben alle etwas ärmer – die Arbeitgeber steigern hingegen die Renditen. So funktionierte bereits der Schröder-Plan.

Alles kein Problem, denn der Aufschwung ist ja bereits da [05][06], wenigstens wenn es nach der CDU/CSU geht, denn für die verspricht der Aufschwung auch gleich einen kräftigen Wähleraufschwung [10].

Der Tatsache, dass trotz rechnerischem Aufschwung noch eine ganze Menge Risiken in den USA vorliegen und die USA als Lokomotive der Weltwirtschaft wahrscheinlich noch für Jahre ausfallen wird [07][08][09] und der Tatsache dass der Staat durch die massive Verschuldung den Gürtel in Zukunft extrem eng schnallen muß, braucht man bei diesem Wunderglauben keine allzu große Bedeutung beimessen, denn es geht ja um den Stimmenfang!

Wenn dann Ende des Jahres ein riesiger Schub neuer Arbeitsloser auf uns einströmt, dann dürfte auch die bislang gute Inlandskonjunktur einbrechen – aber dann haben wir ja schon die neue (angeblich) christliche Regierung, die weniger sozial ist, als man denken mag, denn das werden wir schon an den gebrochenen Wahlversprechen und an der vermurksten Gesundheitsreform sehen, für die wir dann wohl im neuen Jahr die Rechnung präsentiert bekommen werden. Wollte die Kanzlerin sich nicht einmal gerade an dieser messen lassen?

Dennoch rechnen die Deutschen genau dieser Kanzlerin eine große Wirtschaftskompetenz als große "Kümmerin" zu [10]. Weshalb sie wohl auch unsere nächste Kanzlerin sein wird.

Worum hat sie sich denn nun gekümmert?

  • Klimapolitik: Konferenzen ohne Konsequenzen – jedenfalls ohne deren positive.

  • Gesundheitspolitik: Ein neues System, das echte Konkurrenz unterminiert und zwangsläufig zu immer höheren Kosten führt.

  • Konjunkturpakete: Der einzige und größte Erfolg ist Exportschlager geworden – die Abwrackprämie. Unserer Wirtschaft ist also nur noch zu helfen, indem man mit dem Einsatz von Steuermilliarden, die unsere Kinder werden verdienen müssen, Werte vernichtet?

  • Finanzwirtschaft: Den Banken Milliarden ohne Gegenleistung geschenkt und gleichzeitig alle Maßnahmen zur Verhinderung einer Wiederholung verschleppt.

Wie kommen wir Deutschen bloß bei diesen Fakten zu diesem komischen Ergebnis?

Das ist allerdings unser ganz persönlicher Wunderglaube!

Just,

*2Cents*

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